Wir stellen vor: Carsten Brosda

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Ich bin Carsten Brosda. Ich arbeite als Bevollmächtigter des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg für Medien mit daran, dass die digitale Transformation medialer Geschäftsmodelle gelingt. Im Amt Medien kümmern wir uns darum, dass die wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für die Medien-, Kreativ- und Digitalwirtschaft stimmen. Dazu haben wir unter anderem die Initiative nextMedia.Hamburg ins Leben gerufen.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Digitale Technologien verändern letztlich jeden Bereich des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenwirkens. Das stellt große Anforderungen auch an Politik und Verwaltung. Zum einen geht es darum, dass unsere Erwartungen hinsichtlich einer attraktiven und vielfältigen Medienlandschaft auch künftig erfüllt werden und neue Optionen ausprobiert werden können. Zum anderen geht es darum, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass etablierte Unternehmen die Transformation schaffen und neue Unternehmen zahlreich entstehen können. Die dafür nötigen Ökosysteme zu bauen, ist die vielleicht größte Herausforderung des aktuellen Umbruchs.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

So etwas hat ja immer was von Glaskugel. Das iphone ist gerade mal sieben Jahre alt und hat ganze Märkte auf den Kopf gestellt. Da jetzt 15 Jahre nach vorne zu schauen, ist mir zu waghalsig. Ich denke ohnehin, dass wir der Innovationsdynamik der Digitalisierung nicht über Zielsteuerung oder Leitbilder beikommen werden, sondern um klare Handlungsmaxime: Sind wir bereit, das Neue anzunehmen und zu gestalten? Sehen wir in der Digitalisierung Möglichkeiten des Fortschritts, die klarer Rahmensetzung bedürfen? Wollen wir das so gestalten, dass wir einen digital divide verhindern und allen in der Stadt die Chance geben, daran teilzuhaben? Bauen wir offene Infrastrukturen und kümmern uns um die Schnittstellen? Begreifen wir, dass wir in der digitalen Gesellschaft mehr Kollaboration und Kooperation brauchen als bisher? Wenn wir diese Fragen ohne Zögern mit Ja beantworten, dann bin ich mir sicher, dass auch die digitale Stadt und die digitale Gesellschaft lebenswert sein werden. Die digitale Reise ermöglicht uns nicht nur die Demokratisierung von Information und Kommunikation, sondern auch eine bessere Nutzung unserer Ressourcen und eine höhere Convenience von Services – wenn wir dafür den Rahmen als Gesellschaft richtig setzen und Technik nicht zum Selbstzweck machen.

Carsten Brosda hält am 11.06.2015 seinen Vortrag mit dem Titel „Die Digitalisierung der großen Stadt“.

Wir stellen vor: Gregor Hackmack

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Mein Name ist Gregor Hackmack Ich bin Sozialunternehmer und Aktivist. Ich habe die Transparenzorganisation abgeordnetenwatch.de mitgegründet und bin Deutschland-Chef der weltgrößten Petitionsplattform Change.org.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Die größte Herausforderung, die ich sehe, ist die Chancen der digitalen Gesellschaft optimal zur Weiterentwicklung der Demokratie zu nutzen.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

Im Jahr 2030 werden wir von der Zuschauerdemokratie in der Mitmachdemokratie angekommen sein. Die digitale Gesellschaft wird die Hierarchien unsere Zeit im 2030 nicht mehr kennen.

Greogor Hackmack hält am 04.06.2015 seinen Vortrag mit dem Titel „Von der Zuschauer- zur Mitmachdemokratie. Die Chancen der digitalen Gesellschaft für die Demokratie.“.

Wir stellen vor: Frank Steinicke

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Ich bin seit April letzten Jahres Universitätsprofessur für Informatik (insb. Mensch-Computer-Interaktion) am Fachbereich Informatik und leite den Forschungsbereich Human-Computer Interaction an der Universität Hamburg.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Die Technologisierung unserer digitalen Gesellschaft wird weiter exponentiell zunehmen. Wir haben mittlerweile einen Punkt erreicht, bei dem nur noch schwer vorstellbar ist, was in den kommenden Jahren passieren wird. Die größten Herausforderungen und Chancen stecken genau darin, solche Entwicklungen zu verstehen, Gedankenspiele zu zulassen und entsprechende Visionen umzusetzen.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

Ich bin davon überzeugt, dass wir bereits in den kommenden 15 Jahren in einer Welt leben werden, in der computer-generierte Artefakte als reale oder virtuelle Bestandteile sich nicht mehr als solche identifizieren lassen. Virtualität und Realität werden sich nicht mehr unterscheiden lassen und untrennbar zusammenwachsen.

Frank Steinicke hält am 23.04.2015 seinen Vortrag mit dem Titel „UltimateCity2030: Utopia oder Dystopia?“.

Wir stellen vor: Leonard Novy

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Ich bin Mitglied der Institutsleitung am Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, Berlin, und Herausgeber des Mehrautorenblogs carta.info. Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Humboldt Universität Berlin und der University of Cambridge, Promotion zum Dr. Phil an der University of Cambridge, 2004-05 Fellowship an der Harvard University. 2006-2009 Mitarbeiter, schließlich Leiter zweier Projekte der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, zum Thema Strategie- und Steuerungsfähigkeit der Politik. Arbeit als freier Journalist und regelmäßige Publikations- und Lehrstätigkeit zu den Themen Demokratie und Öffentlichkeit sowie zu den Auswirkungen des Internet auf Politik und Medien. Zuletzt erschienen sind die von mir mitherausgegebenen Bücher „Journalismus in der digitalen Moderne“, „Zwischen Macht und Ohnmacht. Facetten erfolgreicher Politik“ (VS Verlag) sowie die Monografie „Imagining the Future of Europe. National Identity, Mass Media and the Public Sphere in the European Union“ (Palgrave Macmillan).

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Das Internet ist nicht einfach nur „ein“ neues Medium. Fortschreitende Vernetzung, Automatisierung und immer intelligentere Algorithmen markieren den Übergang in eine computerisierte und telematisch vernetzte Gesellschaft. Wichtig dabei ist: Die Digitalisierung kann nicht isoliert betrachtet werden. Sie muss im Kontext anderer, teils langfristig wirkender Prozesse wie Individualisierung und Globalisierung diskutiert werden, also der Wechselwirkungen zwischen medialem Wandel, sich verändernden ökonomischen Strukturen und gesellschaftlichen Verhältnissen. Auf der „Haben-Seite“ stehen dabei der erweiterte Zugang zu Informationen und Wissen, Transparenz, die Optimierung von individuellen Handlungschancen wie auch makro-ökonomischer Effizienz. Diesen Verheißungen gegenüber stehen Risiken und Nebenwirkungen. Konkret: das disruptive Potential der Digitalisierung, dem Verlage und Kreativwirtschaft früher als andere Branchen ausgesetzt waren, wie auch die in den letzten Jahren um sich greifende Erkenntnis, dass das Netz eben keine Demokratisierungsmaschine ist, sondern eine Technologie, die auch für machtpolitische Zwecke, in jedem Fall aber für wirtschaftliche Interessen verwendet werden kann. Insofern berührt die Thematik nicht „nur“ die Zukunft unserer Volkswirtschaft, sondern die Grundlagen demokratischer Gemeinwesen: das Recht auf Privatsphäre, Selbstbestimmung, Informations- und Meinungsfreiheit und Öffentlichkeit.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

Wir werden bezogen auf öffentliche Kommunikation eine wenn schon nicht komplett, dann grundlegend andere Kommunikationslandschaft haben. Digitalität wird zur selbstverständlichen Basisstruktur moderner Arbeits- und Lebenswelten – und damit auch die Konvergenz vormals distinkt organisierter Mediengattungen. Wahrscheinlich, wenn man bestehende Trends extrapoliert, ist eine abnehmende institutionelle Kapazität dessen, was wir heute unter „Presse“ (oder „Journalismus“) verstehen, das Verschwinden einiger heute nicht wegzudenkender Marken und neue, technikgetriebene (automatisierte) Formen der Filterung und Vermittlung von Inhalten. Diese Entwicklungen verändern letztlich die Konstitution von Öffentlichkeit und lassen auch Strukturen und Verfahren der repräsentativen Demokratie nicht unberührt. Insofern steht zu erwarten, dass wir 2030 auch hinsichtlich neuer, den technologischen wie gesellschaftlichen Realitäten angemessener Formen von Transparenz und Beteiligung weiter sind als heute.

Leonard Novy hält am 16.04.2015 seinen Vortrag mit dem Titel „Die Unwucht der Verhältnisse: Journalismus, Demokratie und digitale Moderne“.

Wir stellen vor: Katharina Borchert

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Ich habe geraume Zeit als Journalistin gearbeitet, u.a. als Online-Chefredakteurin bei der WAZ Mediengruppe und „die Seiten gewechselt“ habe ich 2010, als ich als Geschäftsführerin zu SPIEGEL ONLINE gegangen bin. Außerdem sitze ich im Aufsichtsrat von Mozilla, der Firma hinter dem Browser Firefox und dem mobilen Betriebssystem FirefoxOS, die sich für ein freies Internet als globale, öffentliche Ressource einsetzt. Das ist eine tolle Kombination, weil ich mich so gleich für mehrere Dinge engagieren kann, die mir sehr am Herzen liegen. Seit 2011 gehöre ich außerdem zu den Young Global Leader des Weltwirtschaftsforums und habe das große Privileg, weltweit die spannendsten und engagiertesten Menschen kennenzulernen. Außerdem bin ich bekennender Social-Media-Fan, begeisterte Hundebesitzerin und Vielreiserin. Kurz, ich bin ein medienmachender Geek mit chronischem Jetlag, 1354 ungelesenen Nachrichten verteilt über fünf Messenger-Dienste und habe immer irgendwo drei Hundehaare an der Hose.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Wir erreichen mehr Menschen als je zuvor mit unserem Journalismus, über immer mehr Kanäle und das intensiver als je zuvor, denn wir sind dank Smartphone rund um die Uhr bei ihnen. Gleichzeitig aber brechen tradierte Erlösmodelle weg, nicht zuletzt dank des Smartphones. Liebgewonnene Organisations- und Entscheidungsstrukturen erweisen sich als wenig tauglich, die Komplexität des Geschäfts abzubilden und die immer kürzeren Produktzyklen zu ermöglichen. Ständiger Wandel und die damit einhergehende Unsicherheit wird zur Norm. Wo der Eine aufregende Möglichkeiten sieht, ist der Andere von der Vielzahl und Schnelligkeit der Entscheidungen überfordert. Wo das agile, schlanke Start-up eine Marktlücke erobert, steht der etablierte Verlag mit gewachsenen Strukturen unter enormem Kostendruck. Es gibt keinen allgemeingültigen Beipackzettel für diese Welt, der den richtigen Weg aufzeigt. Jedes Unternehmen, jeder Einzelne von uns muss den für sich richtigen Weg finden und immer wieder anhand des eigenen Kompasses überprüfen.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

Die Zukunft wird noch mobiler, noch sozialer vernetzt, näher dran an der Echtzeit, bietet noch viel mehr Daten (bei deren Nutzungsregulierung der Staat noch weiter zurückfallen wird), noch automatisierter (egal ob Anzeigenbuchung, Waschpulverbestellung oder selbstfahrende Autos), noch personalisierter (egal ob Medienkonsum oder Arzneimittel), erweitert deutlich den Kreis der Inhalteproduzenten (vom Blogger über den Instagram-Star bis hin zu Corporate Content Marketing) und die Anzahl der Screens (Desktop – Phone – TV – Wearable – SmartHome) wird weiterhin explodieren. Sicher ist nur eins: es bleibt aufregend! Oder es wird immer gefährlicher. Alles nur eine Frage der Perspektive? Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte die Vortragenden dieser Ringvorlesung!

Katharina Borchert hält am 09.04.2015 ihren Vortrag mit dem Titel „Bleibt alles anders – was der rasante Medienwandel in der Praxis bedeutet“.

Wir stellen vor: Ingo Boersch

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Mein Name ist Ingo Boersch, wohnhaft im Städtchen Brandenburg an der Havel, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. In meinem Informatik-Studium an der TU Dresden faszinierten mich von Anfang künstliche neuronale Netze und semantische Signalanalyse. Ein paar Jahre Erfahrung in der Software-Entwicklung führten mich an die 1992 gegründete Fachhochschule Brandenburg, an der ich heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter im FB Informatik und Medien arbeite. Mein Gebiet sind ‚Intelligente Systeme‘, also die praktische Anwendung künstlicher Intelligenz. Dazu zählen in Brandenburg insbesondere autonome mobile Roboter, Data Mining und semantische Technologien. In der Lehre vermittle ich im Bachelor Maschinelles Lernen, Künstliche Neuronale Netze, Probabilistische Robotik, Entscheidungsunterstützung, OWL und im Master Evolutionäre Algorithmen, Semantic Web, SOM und Data Mining. Das klingt in der Aufzählung sehr breit, aber tatsächlich überschneiden sich die Themen stark – die unscharfe Wahrnehmung eines Roboters, der die Welt nur verschwommen wahrnimmt, ähnelt bspw. der Sicht beim Data Mining durch eine Stichprobe auf den echten Prozess. Mehr zu meinen betreuten Arbeiten, Publikationen und absolvierte Online-Kurse auf meiner Homepage beim Labor für künstliche Intelligenz in Brandenburg.

In der knappen Freizeit spiele ich Badminton, fahre Motorrad und beobachte Evolution im Naturgarten.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Schwerpunkte meiner Arbeit (Autonome Roboter, Data Mining, Semantische Technologien) haben gemeinsam, dass sie seit Jahrzehnten Vorzeige- und Sorgenkinder der KI sind. Viele nicht gehaltene Versprechen, noch mehr unerfüllte Erwartungen. Dennoch scheint mir heute durch reine Rechnerleistung (man denke an Deep Learning), zunehmende Vernetzung von Wissensquellen über gemeinsame Ontologien, sich verbreitende Sensorik (Waage, Handy, Stromzähler, Fernseher), dass intelligente Systeme die „Augen“ öffnen und uns interessiert anblicken. Sie lesen unsere Bücher, sie modellieren unser Verhalten, nicht nur zur Vorhersage, sondern auch zur Beeinflussung. Systeme, die uns besser kennen als wir selbst, die uns mitteilen werden, was für uns das Beste ist und unsere Entscheidungen beobachten und kommentieren. Wir kennen das bisher als das Konzept „Eltern“. Allerdings ist deren Motivation unzweifelhaft das Kindeswohl und man kann sich im Laufe der Zeit von ihnen emanzipieren.
Die Wirkung der Technologien hängt davon ab, welche Ziele einem Lernalgorithmus, welche Missionen einem Roboter gegeben werden, also wer die Technologien in welchen rechtlichen Regeln einsetzt.
Herausforderungen sehe ich bei dem Ungleichgewicht im Wissen über Mitmenschen, in der Revolution von Berufsbildern, die schneller verläuft, als eine marktorientierte Gesellschaft reagieren kann und in der Verantwortungsübergabe an technische Systeme, bspw. die Bewaffnung autonomer Roboter oder Hochfrequenzhandel.

Unsere Chance ist eine Welt, in der wir von vielen guten Geistern umgeben sind, die uns schützen, beraten, unterhalten und trösten – und uns Zeit für die Tätigkeiten verschaffen, die wir eigentlich machen wollen.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

„Prediction is very difficult, especially about the future.“ Dem Statement von Niels Bohr möchte ich hinzufügen „und noch schwieriger in sich schnell ändernden Umgebungen“. Exponentielle Entwicklungen (Kettenreaktionen) liegen nicht in unserem Wahrnehmungsbereich, wir erkennen einfache, annähernd lineare Phänomene am besten. Aber globale exponentielle Veränderungen kann ich mir heute durchaus vorstellen, jedenfalls in der vernetzen Welt. Diese können positiv oder katastrophal wirken, ihre frühe Erkennung wird eine Rolle spielen, wie in dieser Reihe „InnovationCity20XX“. Dazu gehört das Sensibilisieren für negative Folgen neuer Technologien, aber noch mehr ihr Einsatz für Zwecke, die uns wichtig sind. Ich vertraue dabei auf ein globales gemeinsames Lernen, das die hilfreichen Problemlösungen etabliert und Fallen vermeiden lernt. Die Technik wird uns näher auf den Leib rücken, vielleicht in Form eines persönlichen Langzeitspeichers (Audio, Video) oder als Chip, der uns hilft, Gesetze einzuhalten.

Ingo Boersch hält am 21.05.2015 seinen Vortrag zum Thema „Data Mining“.

Wir stellen vor: Stefan Heumann

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Mein Name ist Stefan Heumann. Ich bin vor zwei Jahren nach Berlin gegangen, um dort mit Ben Scott das Programm „Europäische Digitale Agenda“ bei der stiftung neue verantwortung aufzubauen. Im Rahmen des Programms befassen wir uns mit den politischen Herausforderungen der Digitalisierung und diskutieren und entwickeln gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik Handlungsoptionen. Ich wollte mich schon immer an einem Think Tank mit zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen beschäftigen. Daher ist dies ein wirklicher Traumjob für mich! Zuvor habe ich die Programm- und Öffentlichkeitsarbeit des US-Generalkonsulats in Hamburg koordiniert und Politikwissenschaft an der University of Northern Colorado unterrichtet. Politikwissenschaft habe ich an der Freien Universität Berlin und der University of Pennsylvania studiert. An letzterer habe ich auch promoviert.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Digitale Technologien führen zu großen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen. Die damit einhergehenden Veränderungen lösen bei vielen verständlicherweise Verängstigungen aus. Die große politische Herausforderung der nächsten Jahre wird sein, auf diese Ängste einzugehen, ohne sich dem Wandel zu verschließen. Denn wir werden in Deutschland nicht das Abendland gegen die Digitalisierung verteidigen können. Stattdessen sollten wir uns darüber Gedanken machen, wie wir die digitale Gesellschaft nach unseren Werten und Vorstellungen gestalten können. Die Einladung zur Vortragsreihe „InnovationCity2030“ bietet mir die Möglichkeit in der Vorbereitung meines eigenen Beitrags darüber gezielt nachzudenken.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

Digitalisierung ist beschleunigter technologischer Wandel. In 15 Jahren kann da unglaublich viel passieren. Wir werden Städte erleben, die durch entsprechende „smarte Technologien“ genau auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner zugeschnitten sind. Die Grenzen zwischen öffentlich und privat werden weiter aufgeweicht. Dies bezieht sich nicht nur darauf, dass viele öffentliche Güter, wie zum Beispiel eine gute Verkehrs- oder Energiesteuerung, über die Erhebung und Auswertung von persönlichen Daten (wie zum Beispiel zum Mobilitätsverhalten) bereitgestellt werden. Es geht hier auch darum, dass Städte sich noch mehr als Dienstleister gegenüber dem Bürger verstehen und mit Hilfe digitaler Technologien von einem verwaltungsrechtlichen zu einem problemlösungsorientierten Ansatz kommen. Die politische Auseinandersetzung mit diesen Veränderungen ist eine der zentralen Herausforderungen in unseren Städten.

Stefan Heumann hält am 30.04.2015 seinen Vortrag mit dem Titel „InnovationCity 2030 – Wie sieht die Digitale Agenda für unsere Städte aus?“.

Wir stellen vor: Meinolf Ellers

am 09.09.2013 in Hamburg. Foto: Christian Charisius/dpa

Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Meinolf Ellers (53), seit 30 Jahren bei dpa, davon die ersten zehn als Reporter, Auslandskorrespondent, Ressortleiter und die letzten 20 als Intrapreneur und Gründer. Aktuell Geschäftsführer von dpa-infocom (gegründet 2000) und dpa-digital services (2013) sowie Initiator von MINDS International, Scoopcamp, mission:local und Next Media Accelerator.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Digitale Disruption heisst in allen Industrien – auch in den Medien – Zerstörung von etablierten Strukturen sowie enorme Effizienzgewinne zu Lasten von Jobs, Löhnen, oft auch von Qualität. Die Frage, wie wir ausreichend neue digitale Wertschöpfung schaffen, um damit genügend Menschen in Lohn und Brot zu bringen, ist noch nicht befriedigend beantwortet. Das Gleiche gilt für die Flexibilisierung von Erwerbsbiographien und die Konsequenzen für das Renten- und Sozialsystem und am Ende für das gesamte demokratische System und die geopolitische Balance. Die Chancen erscheinen heute so atemberaubend wie die Gefahren.

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

Eine aktuelle Studie von SinnerSchrader und Rheingold über die digitalen Gewohnheiten von Kids, Teens und Twens stellt fest: „Die Technologie überholt den Menschen.“ Und sie empfiehlt: „Es ist nicht mehr Mobile first!, es ist Mobile only!“ Das omnipräsente mobile Web wird ungeahnten Mehr- und Nutzwert schaffen, aber die negativen Effekte des total gläsernen Users werden ebenfalls zunehmen. Ich erwarte bis 2030 weitere spektakuläre Technologiesprünge (z.B. Mobilität, Kommunikation, Gesundheit, Industrie 4.0 etc), hoffe aber auch dass die Gesellschaft und die Mehrheit der Menschen Schritt halten kann.

Meinolf Ellers hält am 02.04.2015 seinen Vortrag mit dem Titel „Acceleration – warum die dpa Startups fördert“.

Wir stellen vor: Stephanie Neumann

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Ahoi, ich bin Stephanie Neumann, Fotografin und Interaction Designerin (M.A.) mit Interesse an Orten, Erinnerungen und Interfaces zwischen der analogen und digitalen Welt, www.werkstadt.net. Geboren im Berliner Volkspark Friedrichshain, aufgewachsen als Großstadtindianer. Arbeit für Agenturen in Berlin, Frankfurt/Main und New York. Seit Oktober 2014 bin ich am Urban Complexity Lab (http://uclab.fh-potsdam.de) und beginne mit der Promotion zum Thema Erinnern und Vergessen im Digitalen Kontext. Daneben bastel ich mit einem Freund an www.bertaberlin.de, einem kritischen Statement zu Wert, Einzigartigkeit und Konsum von Musik im Digitalen Zeitalter.

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Es stellt sich weiterhin die Frage, wie wir leben wollen. Um die Komplexität vieler uns umgebender Themen zu erfassen, zu bewerten sowie Prozesse der Partizipation zu gestalten, ist es immer wichtiger geworden, trans- und interdisziplinär zu agieren. Als Konsequenz bilden sich verstärkt Labs und Think Tanks, die diese Verzahnung von Kompetenzen anstreben. Das gemeinsame Vokabular und die Sensibilität den jeweils anderen Disziplinen gegenüber bildet sich in der Regel erst sukzessive heraus. Das ist anstrengend. Das dauert (zunächst) länger. Doch es lohnt sich.

Bezogen auf mein aktuelles Forschungsthema: Der Umgang mit Erinnerung hat sich mit der Digitalisierung und der Möglichkeit der permanenten Speicherung und Wiederabrufbarkeit grundlegend verändert. Heute können theoretisch in jeder Situation Töne und Bilder digital aufgenommen und gespeichert werden. Das Verhältnis von Dokumentation und Erleben scheint dabei diametral auseinanderzugehen – je mehr jemand dokumentiert, desto weniger vermag er den Moment zu erleben. Wie wandeln sich Erinnern und Vergessen im digitalen Kontext? Welche Möglichkeiten bestehen für das aktive Vergessen im Digitalen – wie kann das Wesentliche wieder herausgestellt werden inmitten des Datenwusts?

Der Titel der Vortragsreihe lautet „InnovationCity2030“. Lass uns in die Zukunft schauen. Wo geht die digitale Reise hin?

Manchmal weiß ich noch nicht mal so genau, was bei mir nächste Woche los ist. Ich bin da eher zurückhaltend, was Zukunftsprognosen angeht. Wir denken oftmals, dass sich vieles signifikant ändern wird; die tatsächlich eintretenden Veränderungen sind dann eher übersichtlich. 2030 werden sich die Vorzüge der Digitalisierung voraussichtlich in unserer Arbeitswelt mit flexiblen Arbeitsorten und Zeiten noch stärker etabliert haben. Im Gegensatz zur CD wird es die Schallplatte immer noch geben. Das Internet der Dinge wird sich stärker in unser Leben eingewoben haben. Auch die Singularity Frage wird uns weiter umtreiben – haben wir die Technik noch unter Kontrolle oder haben wir den Moment, an dem wir darauf noch Einfluss nehmen können, bereits verpasst? Und ok, vielleicht irre ich mich auch und wir haben 2030 unsere Gehirne miteinander verschaltet und wissen die Antworten schon während wir fragen.

Stephanie Neumann hält am 26.03.2015 ihren Vortrag mit dem Titel „Fummel da jetzt nicht rum! Interventionen und Eisbrecher in anonymen Nachbarschaften“.

InnovationCity 2030

Die digitale Gesellschaft ist eine Gesellschaft im Umbruch. Seit der Einführung des World Wide Web vor rund 25 Jahren durchdringen digitale Technologien unseren Alltag und verändern radikal unser Zusammenleben in persönlichen und professionellen Kontexten. Die daraus resultierenden aktuellen Veränderungen der Medien(produktions)landschaft durch digitale Technologien haben eine atemberaubende Geschwindigkeit erreicht, die auch auf weitere Branchen wie Handel und Dienstleistungen übergreifen.

Die Medien- und Informationslandschaft in Deutschland begegnet dieser globalen Umbruchphase mit vielfältigen Unternehmenskonzepten, kreativen Social-Media-Strategien und experimentellen Start-Ups. Technologieunternehmen entwickeln immer mehr zu Medienunternehmen und Medienunternehmen immer mehr zu Technologieunternehmen. Professionelle Informationsvermittler/innen müssen heute daher lernen, diese neuen digitalen Formate und Darstellungsformen zu verstehen und anwenden zu können. Themen wie Datenvisualisierung, Big Data/ Data Mining, Cross Media, New Storytelling und Social Media sind wichtige Stichwörter, die in der Ringvorlesung von interdisziplinären Expert/innen aus Informatik, Interaction Design, Journalismus und Medienwissenschaft erläutert werden.

Hierzu werden führende Köpfe der Digitalisierung auf den Kunst- und Mediencampus Hamburg eingeladen, um die die Grundlagen, Erfolgsrezepte und Auswirkungen der vernetzten Kommunikationskultur zu diskutieren.

Die Ringvorlesung findet im Sommersemester 2015 als Kooperation zwischen dem Weiterbildungsstudiengang „Next Media“ und dem konsekutiven Master-Studiengang „Information, Medien, Bibliothek“ (MA) unter Leitung von Prof. Dr. Kai von Luck und Prof. Dr. Steffen Burkhardt statt.

Veranstaltungsort das Forum Finkenau im Neubau. HAW Hamburg, Campus Finkenau 35 (Anfahrtsbeschreibung).

Beginn der Vorträge ist 19:30.

26.03.2015Stephanie Neumann (FH Potsdam)Fummel da jetzt nicht rum!
Interventionen und Eisbrecher in anonymen Nachbarschaften
02.04.2015Meinolf Ellers (Deutsche Presseagentur, Hamburg)Acceleration – warum die dpa Startups fördert
09.04.2015Katharina Borchert (Spiegel-Online, Hamburg)Bleibt alles anders - was der rasante Medienwandel in der Praxis bedeutet
16.04.2015Leonard Novy (Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, Köln)Die Unwucht der Verhältnisse: Journalismus, Demokratie und digitale Moderne
23.04.2015Frank Steinicke (Universität Hamburg)UltimateCity2030: Utopia oder Dystopia?
30.04.2015Stefan Heumann (Stiftung Neue Verantwortung, Berlin)InnovationCity 2030 – Wie sieht die Digitale Agenda für unsere Städte aus?
07.05.2015Barbara Hans (Spiegel-Online, Hamburg)Digitales Storytelling
21.05.2015Ingo Boersch (FH Brandenburg)Data Mining
28.05.2015Lars Rieck & Daniela Schott (IPCL Rieck, Hamburg)Recht aktuell: Von kotzenden Texterherzen, Böhmermännern & Mops Sir Henry
04.06.2015Gregor Hackmack (Change.org / abgeordnetenwatch.de, Hamburg)Von der Zuschauer- zur Mitmachdemokratie. Die Chancen der digitalen Gesellschaft für die Demokratie.
11.06.2015Carsten Brosda (Senatskanzlei, Hamburg)Die Digitalisierung der großen Stadt
18.06.2015Peter Kabel (HAW Hamburg)Exponential Design in Exponentiellen Zeiten
25.06.2015Vera Doerk (Akademie Mode & Design, Hamburg)Raum und Information
02.07.2015Götz Hamann (Die Zeit, Hamburg)

Das Projekt Innovation City – 2030 wird von der BWVI Hamburg gefördert.