Wir stellen vor: Stephanie Neumann

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Wer bist du und was machst du? Stelle dich bitte kurz vor!

Ahoi, ich bin Stephanie Neumann, Fotografin und Interaction Designerin (M.A.) mit Interesse an Orten, Erinnerungen und Interfaces zwischen analog und digital. Geboren im Berliner Volkspark Friedrichshain, aufgewachsen als Großstadtindianer. Arbeit für Agenturen in Berlin, Frankfurt/Main und New York. Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Universität der Künste Berlin sowie an der FH Potsdam. Forschungsaufenthalt bei MSR Cambridge. Derzeit forsche ich am Urban Complexity Lab Potsdam zu Erinnern und Vergessen im Digitalen Zeitalter. Portfolio: http://www.stephanieneumann.com

Bezogen auf dein Forschungs- bzw. Arbeitsfeld: Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich durch den Umbruch der Digitalen Gesellschaft?

Mit der Digitalisierung und der Möglichkeit der permanenten Speicherung und Wiederabrufbarkeit ändert sich auch wie wir erinnern und vergessen. Das Mobiltelefon wird von vielen von uns ständig mitgeführt. Alles kann dokumentiert und wieder eingesehen werden – bis hin zum permanenten Lifelogging. Das Verhältnis von Dokumentation und Erleben scheint auseinanderzugehen – je mehr wir dokumentieren, desto weniger können wir womöglich den eigentlichen Moment erleben. Denn Daten selbst sind noch keine Erinnerungen. Eine der Herausforderungen im Digitalen ist es also, Möglichkeiten zur Priorisierung und Kuratierung zu entwickeln, die uns dabei helfen, das Wichtige in unserem Datenwust herauszukristallisieren, damit es nicht von Unwichtigem überdeckt wird.

Im Umgang mit physischen Dingen haben wir eine lange Tradition und vielfältige Erinnerungspraxen entwickelt. Für das rasante Ansteigen von digitalen Artefakten gibt es bisher kaum adäquate Kulturtechniken des Erinnerns. Es stellt sich die Frage, wie wir mit unseren digitalen Artefakten erinnern wollen.

Was möchtest du unseren Studierenden mit auf den Weg geben, damit sie den digitalen Umbruch meistern können?

Interessant ist die Gratwanderung von Dokumentation und Erleben. Ich denke, dass wir hier zunehmend abwägen, wann wir dokumentieren und wann wir bewusst auf Dokumentation verzichten, um den Moment erleben und erinnern zu können.

Grundsätzlich bieten Umbrüche eine spannende Spielwiese für Explorationen und die Möglichkeit, Veränderungen mitzugestalten und dabei weder kulturpessimistisch zu sein, noch unkritisch „das Neue“ sofort als „das Bessere“ zu sehen. Mit dem Blick darauf, wie wir gerne leben wollen, mag es sich lohnen, nicht zwangsläufig nur das „oder“, sondern vielmehr das „und“ zu denken. Nicht nur entweder analog oder digital, sondern im Idealfall lassen sich die Vorzüge von analog und digital verknüpfen.

Stephanie Neumann wird am 02.06.2016 ihren Vortrag mit dem Titel „Things to remember“ halten.

Foto: Astrid Salomon